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GESCHICHTE DER SEIFE |
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Die Ursprünge der Seife liegen im alten Orient. Das älteste überlieferte Rezept für Seife ist ca. 4500 Jahre alt. Man fand es auf einer Keilschrifttafel der Sumerer und auf ägyptischen Papyrusrollen. Die Ägypter betrachteten Salben und Öle als wesentlichen Bestandteil ihres Lebens und gingen sehr verschwenderisch mit diesen Stoffen um. Seifen , Salben und Öle dienten meist magischen Ritualen, wie der Reinigung vor dem Tempelbesuch. Seifen wurden wie Salben auf dem Körper verteilt und anschließend zusammen mit Schmutz und Schweiß abgekratzt. Diese Seifensalbenmixturen bestanden aus Pflanzenölen oder tierischen Fetten, welche mit Trona (Mischung aus Natriumbicarbonat und Natriumcarbonat ) oder alkalihaltigen Pflanzenaschen vermischt wurden. Trona fand man an den Rändern der Salzseen, im Wadi An Natrum ( Senke westlich des Nildeltas). In Ägypten und auch in Mesopotamien wurden diese Salben nicht nur zur Reinigung, sondern auch als Medizin benutzt. Sie konnten unter anderem sehr kuriose Stoffe, wie Schlangenhaut, Vogelsehnen, Schildkrötenpanzer, Kranichfett und Halbedelsteinpulver enthalten. Magische Rezepte fand man als Inschriften im Horustempel von Edfou (237 v. Chr.) in die Wand gemeißelt. Diese Rezepte enthielten Zutaten wie Haferbrei, Teig, Rindergalle, Straußeneier, Milch, Nilpferd- und Krokodilfett, Schlangenhaut, Gazellendung, mit Honig vermischte gemahlene Eselszähne, zerkleinerte Vogelsehnen, Fliegendreck, Bier, Kranichfett, gemahlene Harze und Mineralien.
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"Mit Wasser habe ich mich gebadet, mit Soda mich gereinigt, mit Wasser aus einem reinen Napf habe ich mich gebadet, mit Soda aus einer glänzenden Schale mich gereinigt, mit gutem Öl aus der Schale mich schön gemacht." (Tontafel der "Sumerischen Beschwörungen", 3. Jahrtausend v. Chr.)
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Plinius der Ältere ist der Meinung, dass die Seife "seiffa" (altgermanisch: tropfendes Harz) eine Erfindung der Gallier ist. Germanen benutzten es zum rituellen Rotfärben der Haare vor einem Kampf. Nach einer römischen Legende wuschen Römerinnen ihre Kleidung im Tiber am Fuß des Berges Sapo (lateinisch: Seife). Auf dem Berg wurden aus religiösem Zweck Opfertiere verbrannt und bei Regen spülten die tierischen Fette der Opfergaben zusammen mit der alkalihaltigen Asche den Berg hinunter. Am Wäschewaschplatz bildete sich ein seifiger Schaum, welcher sich sehr gut zur Körperreinigung eignete. Eine primitive Form von Seife gab es in den frühen Tagen des Römischen Reiches. Die Hautreinigung erfolgte durch Rubbeln mit rauen Tüchern, Bimstein und Heilerde oder durch eine primitive Art der Seife aus Tierfett und Pottasche. (Pottasche entsteht durch Auswaschungen von Pflanzenasche in einem großen "Pott". Es entsteht eine Lauge Kaliumcarbonat) 312 v. Chr. gab es berühmte römische Bäder, allerdings gehörte die Seife nicht zum Baderitual. Damals wurde der Körper mit Milch, Sand, Ölen, Blütenblättern sowie Salben ein- und abgerieben, um Schmutz und Schweiß zu entfernen. Galen von Pergamon (129 bis 199) neben Hippokrates einer der herausragenden Ärzte der Antike, erkannte jedoch die reinigende und heilende Wirkung der Seife und setzte sie zur Körperpflege ein.
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856 benutzten die Besucher der römischen Thermen neben Kleie, Bimstein und Alkalicarbonat eine Art Schmierseife, die nach dem Auftragen auf die Haut mit einem "Strigil" ( ein gekrümmtes Schabeisen) wieder abgekratzt wurde. Die Seifensieder besaßen damals sogar eine weibliche Schutzpatronin, die Göttin Juno Saponaria. Bei Ausgrabungen in Pompeij fand man eine Seife die aus Pottasche, Tonerde und Urin hergestellt war. Die Walker gebrauchten diese Seife zum Bleichen, Waschen und Walken von Textilien bei der Lodenherstellung. Auch bei den Römern verwendete man Seife als Haarfärbemittel und als Medizin gegen Läuse, Wasserödeme etc., genau wie bei den Galliern und Germanen.
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Richtige Olivenölseifen wurden von den Arabern hergestellt. Diese brachten die Technik des Seifensiedens im 8. Jahrhundert nach Südwesteuropa (Spanien). Vor allem Spanien, Italien und später auch Franreich besaßen die nötigen Rohstoffe. Oliven als Öllieferant - die Asche von Meerespflanzen (enthalten Soda) - und Duftstoffe, gewonnen aus verschiedenen Pflanzen (Ätherische Öle, aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte). Während des Mittelalters wurde das Seifenkochen im Mittelmeerraum zur Kunst. Das benötigte Olivenöl wurde mit Hilfe von Windmühlen gepresst. Seifen gab es in vielen Sorten, durch die Verfeinerung von Aroma- und Heilpflanzen. Bis ins 13. Jahrhundert war Baden das Feld der Adligen, welche wöchentliche Bäder in ihren Häuser nahmen. Man unterhielt seine Gäste während man badete. Bald darauf gab es öffentliche Bäder. Die Kirche stellte sich gegen die öffentlichen Bäder. Sie war überzeugt, dass das Baden unzüchtiges und unmoralisches Benehmen fördert. Mit der Abnahme der öffentlichen Bäder wurde das Baden nicht mehr alltäglich. Das sich-waschen wurde ein unnötiges unmoralisches Unterfangen. In Frankreich war der Adel davon überzeugt, dass ein Bad zu nehmen tödlich sein konnte. Man benutzte kein Wasser und keine Seife mehr zum Waschen. Statt dessen parfümierte man sich mit Unmengen von Parfüm und puderte sich und seine Kleidung.
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Im christlichen Mittelalter wurde das Baden und allgemein das Interesse am Körper mit dem Teufel in Verbindung gebracht. Die Standards der Körperpflege und damit auch die Seife gerieten mehr und mehr in Vergessenheit. Die fatale Folge: unhygienische Verhältnisse und todbringende Seuchen in ganz Europa. Ärzte und Mediziner warnten vor Wasser und Seife. Wasser könne durch die Poren dringen und die Körpersäfte erweichen. Es genügte die Körperwäsche zu wechseln. Diese hatte die Aufgabe den Körper reinzuhalten. Das Seifensiederhandwerk hatte einen sehr schweren Stand. Selbst in großen Städten wie Köln, Wien und Krakau konnten nicht mehr als 4 Seifensieder (die auch Kerzenmacher waren) von ihrem Handwerk leben. Die Seifensieder benutzten fast immer tierische Fette. Diese gab es in ausreichender Menge und zudem waren sie sehr preisgünstig.
Talg, Schmalz, Rinder- und Nierenfett, Fleischreste, Schwarte und Tropffett wurden vom Seifensieder im Tausch gegen Seife gesammelt, die er später lieferte. Man schmolz die Fettreste ein und reinigte sie für die Verseifung. Die hergestellten Schmier- und Kernseifen brauchte man auch für gewerbliche Zwecke, z.B. beim Bleichen und Walken. Ludwig der Sonnenkönig (1637-1715) , auch der parfümierte König genannt, soll nur zwei Mal in seinem ganzen Leben gebadet haben und sei daraufhin beide Male sehr krank geworden. Er baute seinen ganzen Palast mit 1300 Zimmern, aber ohne ein einziges Badezimmer. Dafür hatte er extra Personal, die den ganzen Tag damit beschäftigt waren alle Räume zu parfümieren. Zudem ließ er sich jeden Tag ein neues Parfüm erfinden.
Zur Regierungszeit von Georg von England galt Seife und Parfüm als verführerisches Teufelszeug. Es gab sogar einen speziellen Erlaß:
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"Jede Frau, die einen Untertanen Ihrer Majestät
mit Hilfe von Duftwässerchen, Schminke oder parfümierter Seife verführt
oder ihre Ehe auf diese Weise verrät, ...
wird gemäß des Gesetzes gegen die Hexenkraft bestraft,
...und die Ehe wird für ungültig erklärt."
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Zu viktorianischen Zeiten wurden englische Kinder am Winteranfang von ihren Müttern mit Gänsefett eingeschmiert und anschließend die Unterwäsche bis zum Frühjahr zugenäht. Man glaubte damit Fieber und Erkältungen vorzubeugen. Erst die Erkenntnisse zweier französischer Wissenschaftler leisteten der Entwicklung der Seife zum alltäglichen Körperpflegemittel besonderen Vorschub. Nicholas Leblanc patentierte im Jahre 1791 ein Verfahren zur Herstellung von Alkali, während Louis Pasteur im 19. Jahrhundert den Zusammenhang zwischen Bakterien und Krankheit aufdeckte. Endlich konnte man der Verbreitung von Krankheitserregern entgegentreten. Zur Zeit der französischen Revolution wurde das Baden wieder richtig modern. dank Napoleon, der immer peinlichst sauber war, verbesserte sich die allgemeine Hygiene. Die Seifenindustrie wurde wichtig. Die Ärzte begannen, im Widerspruch zu ihren Vorgängern, Bäder als Behandlung zu verschreiben. In England entwickelte sich die Seifenindustrie sehr rasch, da König James I. den Seifenherstellern besondere Privilegien garantierte. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam die Forschung zu vielen neuen Erkenntnissen. Zum Beispiel, das alle pflanzlichen und tierischen Fette verseifbar sind und das man Soda (immer schon ein knapper Rohstoff) künstlich herstellen kann. So wurde Seife vom Luxusartikel zum Alltagsgegenstand.
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Seifensieden - ein Beispielrezept
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