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HANDEL UND HANSE
 

Ähnlich wie sich im Handwerk Zünfte bildeten, bildeten sich auch Zusammenschlüsse von Händlern. Ziel dieser Zusammenschlüsse waren bereits lange vor dem 11. Jahrhundert, der gegenseitige Schutz der Kaufleute auf ihren Handelsfahrten vor Räubern und Piraten sowie die gemeinschaftliche Sicherung von Handelsvorteilen, die sie sich vor allem durch Boykott eines Hafens oder Landes zu verschaffen wusste (Verhansung).
Die erste offiziell beurkundete Hanse wurde in London im Jahr 1157 gegründet, als sich Kölner Kaufleute gemeinsam den sogenannten Stalhof kauften um hier eine Niederlassung zu gründen. Um 1160 folgte die Gründung der Gemeinschaft der deutschen Gotlandfahrer, sowie Ende des 12. Jahrhunderts der Petershof in Nowgorod. Viele weitere folgten ...




 

Das Wort "handeln" stammt aus dem mittelhochdeutschen Sprachgebrauch und bedeutet so viel wie "mit den Händen anfassen, behandeln, händeln". Erst im 16. Jahrhundert übernahm man den Begriff auch für das Handel betreiben im heutigen Sinn. Der Begriffsbestimmung nach versteht man darunter heute das kaufen und verkaufen von Waren und Dienstleistungen mit dem Vorsatz des Gewinnmachens.
Bereits in der frühen Steinzeit finden sich Hinweise darauf, dass bestimmte Gegenstände in Gegenden mit Feuersteinvorkommen in größerer Menge hergestellt wurden, als benötigt. Selbige Gegenstände wurden in weit entfernten Gegenden ohne Feuersteinvorkommen ebenfalls gefunden. Es wurde also offensichtlich Tauschhandel betrieben. Es waren jedoch damals eher die Hersteller, die ihre Produkte miteinander tauschten. Heute hingegen versteht man unter dem Kaufmann weniger den Hersteller, als den beim Hersteller einkaufenden, der an den Endverbraucher weiterverkauft,um für sich selbst einen Gewinn zu erwirtschaften.

Der Kaufmannsberuf an sich hat jedoch auch schon eine beachtliche Geschichte vorzuweisen: Bereits vor fünftausend Jahren finden sich nachweisbare Handelsbeziehungen zwischen der phönizischen Stadt Byblos, Ägypten und Mesopotamien. Für die Zeit um 2000 v. Chr. finden sich Hinweise auf Handelsbeziehungen zwischen dem neusumerischen Reich und Indien. Auch zu späteren Zeiten hatten die Kaufleute eine wichtige Bedeutung. So waren es die englischen Kaufleute, die im 17. Jahrhundert auf eigene Kosten von England aus Handelsstützpunkte in der ganzen Welt errichteten und somit den Grundstein für das British Empire legten.

Im Mittelalter gab es in Bezug auf den Handel eine auffallende Veränderung im Handel. Es entwickelten sich zunächst überörtliche Zusammenschlüsse von Kaufleuten in Form von Fahrtgemeinschaften zum Schutz vor Räubern und Piraten sowie zur gegenseitigen Unterstützung. Diese Zusammenschlüsse organisierten sich seit dem 11./12. Jahrhundert immer mehr und bildeten nach und nach ein sehr starkes Städtebündnis unter den Kaufleuten. In der Blütezeit umfasste dieses Bündnis nahezu 200 Städte und spielte eine wichtige Rolle im politischen sowie im wirtschaftlichen Leben des Nord- und Ostseeraumes.




Die Hanse

Bereits seit dem frühen Mittelalter ist der Begriff "Hanse" in germanischen Sprachen belegt und bedeutet "genossenschaftlicher Zusammenschluss" oder "Fahrtgemeinschaft". Gleichzeitig bezeichnet der Begriff auch die Abgabe, die eine derartige Gemeinschaft an den Vertreter der königlichen Gewalt als "Schutzgeld" zahlen musste.
Im 12. Jahrhundert noch war Gotland Mittelpunkt des Ostseehandels. Die dort ansässigen Kaufleute aus dem "Deutschen Reich" hatten sich mit als erste zu einem festen Verband organisiert, der durch das Führen eines gemeinsamen Siegels nach außen hin demonstriert wurde.
Das offensichtlich von einem deutschen Herscher verliehene Siegel sollte neben der Zugehörigkeit auch die Rechtskräftigkeit des Verbundes unterstreichen. Das Siegel wurde als das "Siegel der deutschen Gotlandfahrer" bekannt ("Sigillum Theutonicorum Gutlandium frequentantium").

Die sesshaften Kaufleute mit ihren Kontoren in den Hansestädten lösten nach und nach die Gemeinschaften der "Wanderkaufleute" ab und prägten entscheidend das Wirtschaftsleben und die Geschichte der Städte. Ihr Einfluss erstreckte sich auf die städtischen Verfassungen ebenso wie auf die Politik.




 
 

Allen Städten voran wurde Lübeck für die Hanse wichtig. Bald nach der Neugründung im Jahr 1158/59 nahm Lübeck eine wichtige Postition als Umschlagsplatz zwischen den Nord- und Ostseehandel ein und löste damit ältere Handelsrouten über Haithabu (11. Jahrhundert zerstört) und über Schleswig ab. Aus dem 13. Jahrhundert ist ein Siegel Lübecks überliefert, das eine Kogge zeigt, das zum damaligen Zeitpunkt neue, leistungsfähige Massentransportschiff. Durch diese Sonderposition dauerte es nicht lange, bis Lübeck auch Gotland aus der führenden Handelsposition herausdrängen konnte. Ein weiterer wichtiger "Machtvorteil" für Lübeck war der Hauptverteilerpunkt des Salzhandels aus den Salinen von Lüneburg und Oldesloe.
Nach und nach gelang es der Hanse, Transporte und Handel wie beispielsweise mit Getreide ganz in die Hände zu bekommen und somit kontrollieren zu können. Der einzeln agierende Kaufmann wurde immer seltener und am Ende war er gar nicht mehr zu finden. Die allgemeine Wirtschaftsstruktur wurde durch die deutsche Ostsiedlung ebenfalls verändert. Die Hanse belieferte die neuentstehenden Städte und verband sie auf diese Weise mit ihrem Handelsnetz.
Dies forderte ab dem 13. Jahrhundert immer festere Organisationsformen. Um von der Belieferung durch die Kaufleute der Hanse zu profitieren lieferten einige Städte der Hanse Sonderrechte.
Im 13. Jahrhunderts bildeten sich drei hansische "Drittel" heraus, welche seit dem Jahr 1347 bezeugt sind: das lübisch-sächsische Drittel (Sitz in Lübeck), das westfälisch-preußische Drittel (Dortmund) und das gotländisch-livländische (Riga). Auf sogenannten "Bundestagen" und "Hansetagen" in Lübeck fanden Beschlüsse und Mitgliederversammlungen statt, die für alle Mitglieder von Finnland bis Mitteldeutschland, vom heutigen Belgien bis nach Russland, verbindlich waren.
Eine solch weitreichende Organisation hat natürlich auch gute Chancen, ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen zu verfechten; wie es auch die Hanse tat. So bekam der norwegische König eben jene Einheit zu spüren, als er versuchte die Rechte der Hanse in Norwegen zu beschneiden - er wurde kurzerhand boykottiert und musste einlenken, da er auf die Getreidelieferungen der Hanse angewiesen war. In Flandern hingegen erreichte die Hanse ihre Ziele mit der Androhung, man würde das Kontor von Brügge kurzerhand verlegen.
Doch wie so oft im Leben, dem Erfolg der Hanse standen natürlich Konkurrenten und Gegner entgegen. Als Gegner finden sich insbesondere einige Landesherren, die ihren Einfluss auf die Städte vergrößern und verfestigen wollten. So brach der Herzog von mecklenburg im ersten Drittel des 14. Jahrhunderts die Städte Rostock und Wismar aus der Hanse heraus. Aber nicht jeder Landesherr war so erfolgreich, wie auch König Waldemar feststellen mußte. Nach der Beilegung seines Streites mit der Hanse fielen selbiger sämtliche Kontrollen der Engen zwischen Nord- und Ostsee zu, was es der missliebigen Konkurrenz unmöglich machte, weiterhin gute Geschäfte im Ostseeraum zu tätigen.




 

Carta Marina Ostsee 1539 Quelle: wikipedia.de




 

Erst seit 1349/40 erlebte die Hanse herbe Rückschläge. Durch das Auftreten der großen Pest begannen die wirtschaftlichen Mittel zu schwinden. Im späten 14. Jahrhundert drangen des weiteren englische Kaufleute in den Ostseehandel ein und der Heringsfang verlagerte sich in die Nordsee. Das englische Königtum sowie die burgundischen Herzöge drängten die Hansekaufleute aus ihren Städten.
Damit war die Kaufmännische Vorherrschaft der Hanse endgültig gebrochen und trotz vielfältiger Anstrengungen gelang es der Vereinigung nicht mehr, zu ihrer alten Position zurückzugelangen. Einzig die drei norddeutschen Städte Lübeck, Hamburg und Bremen konnten sich eine gewisse Größe und Ansehen bewahren und hielten die große Tradition der Hanse bis in die Gegenwart aufrecht.




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